TEXTSAMMLUNG
das argument des monats
ausgabe: 10/03  okober-dezember/2003

Der zerfall der zivilgesellschaft. Deutsche momente der sozialen befindlichkeit 2003.

Jeder gebildete (oder der sich dafür hält) weiss, dass ein prächtiges mosaik aus vielen kleinen mehrfarbigen steinchen zusammengefügt ist. So wie jedes steinchen, das hinzugefügt wird, das ganze erst entstehen lässt, so indiziert jedes steinchen, dass herausgebrochen oder ausgetauscht wird, die verwandlung des prächtigen bildes bis hin zu seiner deformierung und zerstörung. Analog kann der wandlungsprozess einer gesellschaft in der folge der generationen interpretiert werden, zumal einer gesellschaft, die in postmoderner attitude mit reformen traktiert wird, die, wie man behauptet, notwendig seien(1). Post festum ist ein abschliessendes urteil über das gelingen der geplanten reformationen möglich, aber die menschen heute, die ihre gelebte gegenwart leben, sind irritiert; denn sie wissen aus erinnerten erfahrungen, dass die einschätzungen solcher projektionen, die gelingen können, fehlurteile sein werden, wenn die reformen, die sogenannten, die bedingungen verkennen, auf denen die ziele realisiert werden sollen.

Die regierung: Schröder/Fischer, und die opposition: Merkel/Stoiber, überschlagen sich schier in neuen plänen, wie nach der agenda die BRD 2010 aussehen soll.

Der "finanzplatz" Deutschland müsse gepflegt werden - künftig sollen "Hedge-Fonds" erlaubt werden(2). Wer kapital hat, der könnte dann auch an den deutschen börsen mit "Leerkäufen" auf das sinken von aktienkursen spekulieren; sicher - einige spekulanten werden dabei ihren profit haben, die rechnung aber begleichen andere, und zuletzt müssen die steuerzahler für die verluste der aktiengesellschaften einstehen, wenn ihr börsenwert in den keller spekuliert ist und die realen wirtschaftsunternehmen mit dem produktiven kapital (=humankapital - was für ein wort!) in den schwarzen löchern der fusionen verschwunden sind.

Ein anderer heissdiskutierter plan ist das vorziehen der steuerreform 2005 auf das jahr 2004. Man sagt unisono, die wirtschaft müsse wieder gefüttert werden; die parole: runter mit den steuern. Wer aber das 1x1 noch nicht ganz vergessen hat, wundert sich - oder auch nicht, sind doch die pläne systemkonform korrekt: wer hat, dem wird gegeben, so steht's schon in der bibel; die unteren ränge werden mit brosamen abgespeist und oben wird ordentlich was draufgelegt. In nüchternen zahlen: wer 20000€ zu versteuern hat, der kriegt von der steuerschuld 385€ erlassen, wer 80000€ versteuern kann, dessen nachlass ist schon 3246€ wert, und bei den steuermillionären schweigt dietabelle(3) dezent, diese herrschaften können doch nicht mit peanuts abgespeist werden. Schön heisst es im grundgesetz, Art.3 I GG, dass vor dem gesetz alle gleich seien. Es ist schon eine merkwürdige gleichung, dass ein bürger, der das 4 fache zu versteuern hat über den daumen das 10fache an steuernachlass erhalten soll, der Euro ist aber für alle bürger ein Euro, wenn sie als konsumenten im supermarkt an der kasse die tüte milch für 99 cent bezahlen.

Der finanzminister im bund und seine fachkollegen in den ländern lassen keinen steuerzahler verkommen, wenn der nur ordentlich steuern hinterzieht - die peanuts soll der staatsanwalt desto unerbittlicher verfolgen dürfen, aber das ist in diesen szenen des gemäldes 2003 noch nicht das thema. Der Spiegel berichtete(4) und zurückhaltend folgte die presse(5), dass der amtschef des Finanzamtes Frankfurt V "in Absprache mit der Oberfinanzdirektion und dem Hessischen Finanzministerium unter seinem Chef Karlheinz Weimar(CDU)"(6), am 30.08.2001, ziemlich klammheimlich, wie Ich hinzufüge, verfügt habe, dass die Steuerfahnder, wenn das "Transfervolumen"(7) die marke von 500000DM nicht überschreitet, keinen anfangsverdacht auf steuerhinterziehung haben (eine grenze müsse es schliesslich auch noch geben). In einer sondersitzung des hessischen haushaltsausschusses hatte der hessische finanzminister, Herr Weimar, gemäss eines berichts der Frankurter Rundschau(8), dazu erklärt, dass "erst die Konzentration auf die 'grossen Fische' über 500000Mark wieder Luft geschaffen habe", aber besonders erfolgreich scheint der fischzug dann doch nicht verlaufen zu sein: aus einem pool von 3673 amtlich zugegebenen fällen seien 184 fische im netz eines strafverfahrens hängen geblieben (über das ergebnis enthält der bericht keine angaben). Der pflicht der staatsanwälte und ihrer kollegen in den steuerbehörden, dem gesetz geltung zu verschaffen, setzt offenbar die politik dann enge grenzen, wenn die zu erwartenden ergebnisse nicht in das kalkül der machthabenden politiker passen.

Vielleicht war es dann nur ein zufall im zeitverlauf gewesen, dass der Bundesrechnungshof am 3.september 2003 einen bericht über umsatzsteuerbetrug und steuerumgehung veröffentlicht hatte(9), der dem Parlament und der Bundesregierung zugestellt worden ist. Ich zitiere den anfang der presseerklärung (mit einer geringfügigen auslassung): "Bund und Ländern entgehen durch Umsatzsteuerbetrug und Steuerumgehung jährlich Steuereinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe. Ursache sind verschiedene, teilweise betrügerische Praktiken ... Diese Praktiken werden durch geltende gesetzliche Regelungen ermöglicht oder begünstigt. Der Bundesrechnungshof hält es für dringend geboten, die offenkundigen Gesetzeslücken zu schliessen. Er sieht zudem die Notwendigkeit, die Kontrollmechanismen zu stärken." Die aktuelle diskussion um den bundeshaushalt 2004 ist eine geisterdebatte, wenn der staat und seine legimierten repräsentanten es unterlassen, dem gesetz geltung zu verschaffen, oder sogar die umgehnung des gesetzes bis hin zur schaffung von rechtsvorschriften, die den betrug rechtskonform implizieren, dulden und begünstigen. In den vergangenen zwanzig jahren habe Ich regelmässig die kolportierte zahl von 300mrdDM/150mrd€ gehört und gelesen, die dem fiskus jährlich an steuereinahmen entgehen sollen. Ich habe in dieser zeit nie ein dementi des zuständigen finanzministers gehört oder gelesen, sodass die vermutung nicht unbegründet ist, dass an dieser zahl "etwas dran" sein kann, vielleicht nicht in der genannten höhe (die schätzung halte Ich für überzogen), aber ein betrag im oberen bereich eines zweistelligen milliardenbetrags ist sehr wahrscheinlich, und das urteil des Bundesrechnungshofes bestätigt diese einschätzung, die nur einem teilbereich des wirtschaftslebens in der BRD abdeckt. Ich kann den verdacht nicht abweisen, dass die machthabenden politiker das so wollen (auch wenn sie in der öffentlichkeit stets anders schwätzen).

Und es geht auch ganz "legal", wenn leute über ein paar cents über das lebensnotwendige verfügen können (das sind nach dem goldenen wort eines exbankchefs der Deutschen Bank peanuts, die in den bilanzen privatissime im siebenstelligen bereich und höher dargestellt werden). In einem stimmungsbild berichtete der Spiegel vor einiger zeit über die sorgen der bundesdeutschen "Superreichen" im "Luxus-bewehrten Fluchtpunkt" London(10), wo ein gewisser Muck, alias Flick, "in London selbst seine Steuern minimiert"(11). Und ein herr, der Curt Engelhorn, ehemals eigentümer des Pharmakonzerns Boehringer-Mannheim, musste ins steuerexil nach London ausweichen, um, wie der Spiegel berichtet, "stolz" verkünden zu können, "dass der deutsche Fiskus keine einzige Mark an dem Deal verdiente"(12), als er das unternehmen 1997 verscherbelte und mit 11.000.000.000Dollar(!) kasse machte. Das legale steuerschlupfloch London (Doppelbesteuerungsabkommen) hatte die politik und der gesetzgeber aufgemacht und hält es noch offen. Es ist ein vernünftiger gedanke, dass ein bürger, der in einem anderen land arbeitet, nicht zweimal zur steuer herangezogen wird. Der grund ist plausibel; denn dieser bürger kann seine arbeit nur an einem ort im markt anbieten, und der markt hat im letzten jahrzehnt europäische, ja globale dimensionen erreicht, aber es ist weder volkswirtschaftlich vernünftig, noch hat es etwas mit gerechtigkeit und gleichbehandlung zu tun, wenn die regelungen der Doppelbesteuerungsabkommen dazu führen oder so "gestaltet" werden können, dass vermögende leute sich ihrer pflicht entziehen können, ihr scherflein zum gemeinwohl beizusteuern, so wie es jeder bürger tun muss, der nicht in eines jener steuerparadise ausweichen kann, die die brutstätten der armut und des reichtums in der welt sind. Die zahlen der statistik belegen, dass das kapital mit stetig sinkenden prozentzahlen am steueraufkommen beteiligt ist, die arbeit aber prozentual stets mehr beisteuern muss. Mit einer rechtserklärung kann der kapitalbesitzer seinen wohnsitz wechseln, wer arbeitet, muss sich nach dem strecken, wo er (noch) arbeiten kann.

Die arbeit hat die politik fest im griff; zwar hat die politik seit jahren schwierigkeiten, arbeit zu schaffen, von der ein bürger sich und seine familie anständig ernähren und unterhalten kann, aber zumindest ist kaum zu bestreiten, dass die politik, regierung und opposition einträchtig koaliert, daran arbeitet, wie die arbeitsuchenden auf trab gebracht werden könnten, endlich mit der arbeit zu beginnen.

So schlägt der superminister - pardon, Ich habe den falschen ton angeschlagen und setze noch einmal an: so schlägt der nullminister - nein, so geht's auch nicht, also ein drittes mal: so schlägt der wirtschaftsminister Clement(SPD) vor, künftig die lehrzeit auf 2 jahre zu verringern. Damit "könnten Jugendliche mit schwächeren Schulleistungen von einer solchen vereinfachten Ausbildung profitieren"(13). Offenbar ist die angst bei den regierenden so grooss, dass künftige generationen, die die renten der alten bezahlen sollen, zu luxuriös ausgebildet werden könnten, um noch für den niedriglohnsektor(14) heute verfügbar zu sein, der, folgt man den verlautbarungen der politik, die lösung am arbeitsmarkt sein soll (zumindest hofft man so die statistik auf angenehmer klingende zahlen umzuschreiben). Wie bürger mit einer solchen ausbildung-light und dem damit zugeordneten einkommen eine bürgerliche existenz führen sollen und können, die in ökonomischer hinsicht dem grossen durchschnitt der gesellschaft entspricht, das wissen vermutlich nur die politiker mit ihrem geheimwissen und einer apanage im 5-stelligen €-bereich monatlich (von den pensionen, bonusmeilen und sonstigen kleinigkeiten zu schweigen). Kaum ein bericht zur sozialen situation kommt ohne die bemerkung aus, dass familien mit kindern, insbesondere alleinerziehende ein hohes risiko haben, in die armut abzusinken. So prognostizierte Barbara Stolterfoht (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband)(15), dass künftig fast 10% aller kinder arm sein werden. Es ist eine gesellschaftliche erfahrung, dass diese kinder in der konkurrenzgesellschaft neoliberalen zuschnitts(16) keine chance(17) haben, der armut durch arbeit zu entkommen, weil ihr "rating" a priori gleich null ist. Die beklagte misere am ausbildungsmarkt 2003 belegt diese tendenz. Es ist nicht so, dass diese jungen menschen nicht arbeiten wollen(18), nein, die sozialen verhältnisse geben ihnen nicht die chance, dass sie arbeiten können. Ihr weiterer weg ist hermetisch programmiert....

Aber auch hier lässt die politik es nicht an der nachsorge fehlen. Die arbeitslosen der gesellschaft seien der gesellschaft zu teuer geworden, das passe nicht in eine globalisierte welt, die strikt auf die rendite achtet. Der sanierungsplan der vereinigten regierung und opposition: schröder/Stoiber, hat die parole, "Fördern und Fordern"(19) ersonnen, und der eindruck ist nicht abweisbar, dass sie das fördern schlicht vergessen haben, um das fordern umso besser akzentuieren zu können. So verkündet der wirtschaftsminister Clement(SPD), dass langzeitarbeitslose, das sind die bürger der BRD, die als kunden der neuzuschaffenden agentur für arbeitsvermittlung (vulgo arbeitsamt) seit einem jahr und länger die angebote der behörde nicht positiv beschieden haben, künftig "eine pauschalierte Grundsicherung von 345€ im Westen und 331€ im Osten"(20) erhalten sollen (die feinen sozialen differenzierungen lasse Ich beiseite)(21). Wer nach dem neuen gesetz "einen angebotenen job(22) ablehne, müsse für drei Monate mit einer Leistungskürzung von 30 Prozent rechnen"(23), und herr Clement(SPD) reicht die androhung nach, im wiederholungsfalle die nicht mehr zu umgehenden leistungen auf "Sachleistungen" - etwa in Form von Lebensmittelgutscheinen"(24) zu begrenzen. Dafür hat der SPD-minister einen starken verbündeten, es ist der Bayernchef Stoiber(CSU), der sekundiert und ex kathedra verkündet: "Wer nicht arbeitet, der soll statt Geldleistungen Sachleistungen erhalten"(25). Der herr Stoiber hat dann noch etwas drauf gegeben; es sei ein "falsch verstandener Datenschutz"(26), wenn die behörden bei den sozialhilfeempfängern, den alten und den neuen mit dem arbeitslosengeldII(=345€/331€ pro monat), kein "unbeschränktes Auskunftsrecht bei Banken, Versicherungen und Grundbuchämtern über die Vermögen der Sozialhilfeempfänger" erhielten(27). Mit diesen worten im ohr werden die arbeitsuchenden der BRD die maxime des wirtschaftsministers Clement(SPD) verinnerlichen: "Jeder legale Job ist zumutbar im Rahmen eines vernünftigen Ermessens"(28) - im markt aber, dem vergotteten, ist die konkurrenz grooss; allein die rund 4,5mio. registrierten arbeitssuchenden(29) konkurrieren um die offenen stellen, deren zahl, wie die statistiken ausweisen, mit einer 6stelligen ziffer dargestellt werden kann. Wer etwas versierter ist und auch die rechenarten über dem niveau von 1+1=... beherrscht, kann sich ausrechnen wie groos die statistische chance ist, einen arbeitsplatz gemäss der Clement'schen maxime zu ergattern, abgesehen davon, dass eine statistische zahl über die chancen eines individuums wenig konkretes aussagen kann.

Das problem sind nicht die arbeitslosen, von denen man lifestyle chic sagt, sie seien unwillig; die fehlenden möglichkeiten bezahlter arbeit sind das problem, und diese sind das ergebnis der ungleich verteilten ressourcen in der gesellschaft, was wiederum das resultat der anstrengungen von wirtschaftspolitikern ist, die dumm das an parolen nachplappern, was ihnen ideologen vom schlage eines Friedman oder Hayek einblasen. Die gesellschaft, eine lebensgemeinschaft von individuen, erschöpft sich nicht in einem markt, der eine unbegrenzte spielwiese für spekulanten ist, die meinen, mit dollars in der faust die welt aufmischen zu können. Was die rot/grüne regierung mit der vereinigten schwarz/gelben opposition derzeit als agenda für 2010 aufzulegen gewillt ist(30), wird das programm der pauperisierung der deutschen gesellschaft(31) sein, aus der ihre aktuellen nutzniesser auf dauer keinen gewinn ziehen können. Es ist nicht so, dass hier der soziale rest(32) nur einer christlichen armenfürsorge im bürokratischer drapierung ausgeliefert wird, auf der agenda steht die modellierung einer zweidrittelgesellschaft, die das verblieben drittel auf ein verwaltungsobjekt reduzieren muss, das allein mit repression und gewalt ruhig gehalten werden kann. Verführerisch ist das bild einer saturierten gesellschaft mit den oberen zehntausend und der sagenhaften mitte als ihren nutzniessern, die ihren zustand hinter hohen mauern geniessen, die sie vom rest der welt abschotten, aber es ist eine illusion, dass sie diesen rest ausschliessen können. Die menschen der zweidrittelgesellschaft können sich selbst nur im horizont der menschen verstehen, die sie als das verlorene drittel ausgeschlossen haben. Ohne gewalt können sie die ausgrenzung nicht durchsetzen, weil die gewalt jede soziale ordnung zerstört, die das fundament einer zivilen gesellschaft ist.

Das schöne mosaik: Bundesrepublik Deutschland, über 50 jahre hatte es als vorbild einer sozialen ordnung (mit einschränkungen) geglänzt, aus dummheit beginnt die generation, die in ihr gewachsen ist, dieses bild zu zerstören.
----------------------
(1) man schwätzt vom reformstau und meint nur die interessen, die jede soziale gruppe zu lasten der interessen der anderen auf biegen und brechen durchsetzen will. <--//
(2) Frankfurter Rundschau/21.08.2003 <--//
(3) zitiert nach einer dpa-graphik; quelle: Frankfurter Rundschau/28.06.2003 <--//
(4) Der Spiegel, Nr.33, 11.08.2003, p.36-37 <--//
(5) kurze Beiträge in der Frankfurter Rundschau/ 14./16./21.08.2003,  <--//
(6) Der Spiegel, Nr.33, 11.08.2003, p.36 <--//
(7) ebd. p.37 <--//
(8) Frankfurter Rundschau/ 21.08.2003 <--//
(9) presseerklärung; quelle:
http://www.bundesrechnungshof.de/veroeffentlichung/1062587658/index_html ; der bericht ist abrufbar unter: bericht_umsatzsteuer.pdf. Zusatz: in der presse habe Ich dazu nur eine kurze nachricht gelesen (Frankfurter Rundschau/04.09.2003,p.5); offenbar war damit das thema für die öffentliche meinungsbildung erledigt, und die beamten und politiker in den staatlichen institutionen können wie gehabt ungestört weiterwerkeln. <--//
(10) Der Spiegel, Nr.19, 05.05.2003, p.122-126 <--//
(11) ebd. p.122 (das zitat ist grammatikalisch umgeformt). Muck, das ist der Herr Gert-Rudolf Flick, sohn des Friedrich Karl Flick und enkel des Friedrich Flick - personen, deren namen in der deutschen Geschichte einen klang haben, ob einen guten, darüber gehen die meinungen auseinander. <--//
(12) ebd. p.124 <--//
(13) Frankfurter Rundschau/ 12.08.2003 <--//
(14) in einer studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts(WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung(DGB) wird festgestellt, dass "Niedriglöhne ein Massenphänomen" sind. Zum Niedriglohnsektor werden gezählt: löhne mit weniger als 75% des lohndurchschnitts sind "prekärlöhne"(=4,2mio.oder 24% aller vollzeitbeschäftigten); löhne mit weniger als 50% des lohndurchschnitts sind "armutslöhne"(=2,1mio.oder 12% aller vollzeitbeschäftigten). quelle: Frankfurter Rundscha/05.08.2003. <--//
(15) quelle: Frankfurter Rundschau/ 01.08.2003 <--//
(16) die ständischen gesellschaftsordnungen sind in dieser hinsicht nicht besser, aber sie haben den vorzug, dass sie theoretisch die faktische ungleichheit nicht mit dem freiheitsgeschwätz zulabern. <--//
(17) der mythos vom tellerwäscher zum millionär ist eine lüge, und wenn man sich biographien einiger berühmter karrieren etwas näher anschaut, dann wundere Ich mich, dass kein staatsanwalt den kleinsten verdacht gehabt hatte, dass..., aber da waren diese herrschaften ja schon berühmt und dollarmächtig. <--//
(18) Ich bestreite nicht, dass es einzelne geben mag, die "null-bock" haben (warum? - das wird nicht mehr gefragt); sie begnügen sich nolens volens mit dem, was an "stütze" abfällt, und wer von diesen noch etwas energie hat, der ist potentiell gefährdet, ins kriminelle milieu abzugleiten. Wer die rede von den "sozialschmarotzern" ernst nimmt, der sollte einmal in der beletage der gesellschaft nachschauen, ob es da nicht auch solche exemplare gibt, und wer fündig wird, der wird feststellen, dass diese feinen herrschaftchen sich nicht mit den lumpigen beträgen einer stütze begnügen. <--//
(19) Frankfurter Rundschau/09.08.2003 <--//
(20) ebd. <--//
(21) Frankfurter Rundschau/12.09.2003. Der gesetzentwurf der ersten lesung präzisiert diese Leistungen, die für die ämter die garantie für nicht versiegende arbeit sein werden; die künftigen kunden der ämter werden keine signifikante differenzen feststellen - eine zu kurze decke kann man lang reden, deswegen wird sie aber nicht länger.  <--//
(22) die sprache differenziert, zugleich die bedeutung verdeckend und enthüllend. Der angelsächsische terminus: job, hat einen anderen klang als das deutsche wort: arbeit. Vom job spricht man, wenn eine x-beliebige tätigkeit gemeint ist, zumeist mit pejorativer eintönung, entscheidend ist, dass der job geld bringt; der terminus: arbeit, meint in einer bedeutungsrichtung die tätigkeit, die dem menschen erfüllung bringt, zumindest wird so geredet, wenn kapitalbesitzer in den festreden das hohelied der arbeit anstimmen und vom schweiss der anderen schwafeln. <--//
(23) Frankfurter Rundschau/09.08.2003 <--//
(24) ebd. <--//
(25) Frankfurter Rundschau/08.09.2003, p.4. Der bericht der Frankfurter Rundschau zitiert aus einem interview, das Edmund Stoiber der Welt am Sonntag, 07.09.2003, gegeben hatte. <--//
(26) ebd. Herr Stoiber ist ein experte des datenschutzes, wenn man der berichterstattung der presse glauben schenkt, die in den letzten jahren so einiges über spezis und amigos im Bayernland des seligen FJS berichtet hatte. <--//
(27) ebd. <--//
(28) Frankfurter Rundschau/09.08.2003. Zusatz: was heisst aber: vernünftiges ermessen? - zumindest ist das ein sicheres arbeitsbeschaffungsprogramm für verwaltungsbürokraten und juristen, das die künftigen kunden der neuen arbeitsagenturen auf ihre weise würdigen werden, weil's alte hüte sind, die für neu verkauft werden sollen. <--//
(29) die menschen ohne arbeit, die in den statistiken versteckt sind, werden nicht als "arbeitslos" gezählt, gezählt werden auch diejenigen nicht, die von den statisken nicht erfasst werden. Man schätzt, dass etwa 7 millionen bürger der BRD ohne einkommen aus arbeit sind, die aber eine angemessen bezahlte arbeit annähmen, wenn denn ihnen ein job angeboten würde, der sich für sie rechnet. Der skandal um die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg begann mit dem bekanntwerden von manipulationen an der vermittlungsstatistik, den politikern heute ist bis dato nicht besseres eingefallen, als die statistiken der bundesanstalt neu zu ordnen, und erfolge kann man auch schon aufweisen: die unschöne offizielle statistik wird bereinigt, die "unechten" arbeitslosen in anderen statistiken, die weniger aufmerksamkeit haben, abgelegt. So kann man eine wahlkampagne führen, vielleicht, aber mit der vielbeschworenen arbeitsmarktpolitik, die neue arbeitsplätze schafft, hat das nichts zu tun, ganz im gegenteil. <--//
(30) Ich unterlasse es, an dieser stelle von dem volkswirtschaftlichen unsinn zu sprechen, der quasi die seele der angestrebten reformen ist, angefangen bei der steuerreform 2005, über die gesetze zur neuordnung des arbeitsmarktes bis hin zu der reorganisation des gesundsheitsmarktes und der künftigen absicherung der altersrenten. Auf der einen seite spart man bei denen, die ihr verfügbares einkommen nahezu 1:1 im konsum verbrauchen müssen, und auf der anderen seite werden über steuersenkungen und absicherung profitabler machtstrukturen einer kleinen schicht von kapitalbesitzern noch mehr millionen in die taschen gejubelt, die den zugewinst in börsen, den spielhöllen des globalen finanzmarktes, und in notorischen finanzeilanden verschwinden lassen werden. <--//
(31) die kehrseite der pauperisierung ist die kriminalisierung der gesellschaft, die ein doppeltes gesicht hat. Der volksmund sagt es knapp: die kleinen hängt man und die grossen lässt man laufen. Bei den kleinen ist der herr Stoiber energisch (s.o.anm.26 und 27) und sein hessischer kollege, der herr Koch, der für die öffentlichkeit wieder mal von nichts wissen wird, ist bei den grossen groosszügig (s.o.anm.4-8), und der herr Schröder in Berlin steht ihnen mit der geplanten Steueramnestie für Steuersünder in nichts nach (so der Spiegel in einer kurzen meldung in der nr.38, 15.09.2003, p.20). <--//
(32) in den soziologischen theorien pflegt man von einem bodensatz der gesellschaft zu reden. Der zynismus der theorien muss keinen vergleich mit der realität scheuen, die diese theorien fixieren. <--//
---------------------

stand: 03.12.30.

zurück/übersicht   //
zurück/bibliographie   //
zurück/textsammlung/überblick   //