das fragment des monats
ausgabe (001)/01/2021/ januar/2021
ÖPNV: kostenlos? - ticketlos!

In der welt des kommerzes, jeder will gewinnen, ist das stichwort: gratis, ein zauberwort, das, wie jeder zauber, vergiftet ist. Der schlachtruf ist alt: kostenloser ÖPNV, die neueste variante, nicht besser, ist der ruf nach dem 1€-ticket. Der aura des utopischen steht die realität entgegen: es gibt keinen kostenlosen ÖPNV. Die erklärung ist simpel. Der ÖPNV ist eine öffentliche dienstleistung des staates, für die bestimmte aufwendungen notwendig sind, und diese kosten müssen bezahlt werden, damit die Sache überhaupt laufen kann. Für jeden verkehrsbund in der Bundesrepublik Deutschland können die beauftragten verkehrsbetriebe die erstellungskosten auf den cent exakt angeben, ausgewiesen in der jährlichen bilanz.

Das problem des streits um die kosten ist ein anderes und, auf den slogan zugespitzt, muss die frage lauten: wie ist ein ticketloser ÖPNV im nahbereich des bürgers möglich und wie muss die notwendige umlage für die faktischen kosten organisiert werden. Das ist eine frage des rechenstifts und nicht irgendwelcher ideologien, egal, ob ihre verfechter konservativ gewickelt sind oder grün. Die blaupausen für den ticketlosen ÖPNV existieren und es bedarf nur des willens, die  rationale Lösung zu wollen.

Für die organisation des ÖPNV sprechen mikroökonomische argumente. Der ticketlose ÖPNV ist kalkulatorisch vorteilhafter als die derzeitige praxis des lösens eines erlaubnisscheines durch den benutzer. Der grund ist simpel und sollte von jedem betriebsökonomen verstanden werden; denn die kosten für das ticketmanagement können "eingespart" werden ohne die attraktivität des angebots zu vermindern, ganz im gegenteil. Das, was in der betriebswirtschaftlichen perspektive ein gewinn ist, das zeitigt auch in der volkswirtschaftlichen perspektive positive effekte, weil die kosten für den gesamten verkehr in der gesellschaft, implizit der nutzen, rational verteilt werden können. Im ergebnis werden alle profitieren.

Der ticketlose ÖPNV ist ein kleiner, aber wirksamer beitrag zur verkehrswende, weil diese änderung in der finanzierung eines allgemeinen guts sich auch positiv auf den übrigen verkehr auswirken wird. Die gewichte sollten vom privaten gewinn auf den öffentlichen nutzen für alle verschoben werden.

Wenn alle bürger ihr Scherflein für den ÖPNV beitrügen, wären die kosten für alle weniger als ein Euro am tag.
finis
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eingestellt: 21.01.01.
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