Das apokalyptische denken.
Eine anmerkung zu einem realen problem in den debatten um das weltklima.
Es sind moden, wenn von der apokalyse, präziser: von den apokalypsen geredet wird
(a).
Das fundament des apokalyptischen redens ist das bewusstsein der
menschen und ihr wissen, dass das leben endlich ist. Das bewusstsein
seiner endlichkeit, ein basales gefühl des individuums als ich, ist der
grund, sich szenarien auszudenken über das, was geschehen werde, wenn
das auch real geschieht, was in den apokalyptischen prophezeiungen
ausgemalt wird
(b), nämlich das ende der welt
(c).
Das narrativ vom ende der welt ist ein erzählen von etwas, das kommen
soll, aber, es kann nicht das erzählen sein von dem, was im moment der
gelebten gegenwart real gekommen ist, ein ereignis, das, abgesunken in
die vergangenheit als ein factum der vergangenheit, wieder erinnert
werden kann als gegenstand einer neuen erzählung, mit der genau das
dementiert wird, was der gegenstand der erinnerten prophezeiung, ein
dokument der historia, gewesen war, nämlich das ende der welt, in der
die propheten des untergangs munter weiter leben.
Es ist eine merkwürdige beobachtung, dass das reden über den angekündigten untergang des abendlandes
(d)
genau das moment ignoriert, das, der kern jeder weltuntergangserzählung
seiend, die bedingung ist für die erzählungen von der not der menschen
im blick auf ihren tod. Der streitpunkt ist, dass vom anstehende
weltuntergang mit projektionen in die zukunft geredet wird, die als
utopie
(e) im moment ihrer
realisation, dem moment der gelebten gegenwart, notwendig scheitern und
die, als ein factum der vergangenheit in die vergangenheit abgesunken,
in den dokumenten der historia in einem anderen moment der gelebten
gegenwart wieder erinnert werden, erinnerungen, die in einer weiteren
projektion in die zukunft als neue fassung der untergegangenen
apokalypse gelebt werden.
Eigentlich besteht kein grund zur sorge, dass die
derzeit lanzierten apokalypsen, realität werden könnten; denn wäre der
immer wieder neu prophezeite weltuntergang real der fall, dann kann es
keinen erzähler mehr geben, der von diesem ereignis erzählen könnte
(f).
Im horizont dieser angezeigten weltuntergänge ist
die aktuelle diskussion um das weltklima zu analysieren und zu
reflektieren. Es sind beobachtungen aus erfahrung, ergänzt durch
sachangemessene methoden, die darauf hindeuten, dass das faktum der
erderwärmung einen prozess in gang gesetzt hat, der es als
wahrscheinlich erscheinen lässt, dass in der natur für die gattung:
homo sapiens, kein platz mehr sein wird und der homo sapiens dann den
gleichen weg gegangen ist, den viele andere gattungen vor ihm gegangen
waren
(g). Das vermutete ende
der gattung: homo sapiens, wird sein, dass die physische
lebensgrundlage für die menschen zerstört ist, wenn die menschen global
ihren gegenwärtigen lebensstil beibehalten, mit der konsequenz, dass im
prozess der natur die individuen dieser gattung sich nicht mehr
regenerieren können. Der zustand der natur(=universum) wird sein, dass
es kein wesen der gattung: homo sapiens, gibt, der vom ende der
gattung: homo sapiens, etwas erzählt, das gehört wird.
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(a)
die apokalypse(=erzählung vom
weltuntergang) ist eine subklasse der gattung: erzählung,(01). Soweit
die erinnerung der menschen in ihrer historia zurückreicht, wurden über
das sichere ende der zeit fabuliert, die einflussreichste der bekannten
geschichten dürfte die des apostels: Johannis, sein. Die historia der
apokalypsen ist in diesem fragment kein gegenstand der reflexion.
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(01)
einen guten überblick über die tradition der apokalypsen gibt der artikel in Wikipedia(*).
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(*1) Wikipedia //==> www.wikipedia.de/. Stichwort: apokalypse, dl251026.
(a)<==//
(b)
die apokalypse ist das jüngste gericht,
wenn der gott in seinem zorn oder in seiner liebe, das ist gleich, über
seine sündigen geschöpfe gericht halten will, die einen in die hölle
verdammend, die anderen ins paradies einladend. Dieser erzählung ist
gemein, dass im paradies und in der hölle raum und zeit aufgehoben
sind, aber, mit dem ende von raum und zeit ist auch das ende der welt
gesetzt, die das individuum als ich und sein genosse geschaffen haben,
gemeinsam, jeder für sich. Das problem ist, dass in den formen von
projektionen in die zukunft über den zustand einer welt jenseits von
raum und zeit reflektiert wird, reflexionen, die an den moment der
gelebten gegenwart geknüpft sind. Dieser moment der gelebten gegenwart
ist nur in raum und zeit möglich, folglich ist dieses denken auf der
argumentebene der begriffe mit einem widerspruch konfrontiert, der
nicht aufhebbar ist, der aber auf der argumentebene der phänomene, den
apokalypsen der historia, ein gegensatz ist, der pragmatisch in den
apokalyptischen phantasien aufgelöst wird, real in den dokumenten der
historia(01).
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(01) //==>
anmerkung: (a).
(b)<==//
(c)
das, was in den apokalyptischen
erzählungen endet, das sind die welten des individuums als ich und
seines genossen, die der genosse und das individuum als ich, jeder für
sich, in ihrem forum internum als welt imaginieren und die, auf dem
forum publicum entäusert, miteinander/gegeneinander gehändelt
werden, aber, das ende dieser welten ist nicht das ende der
natur(=universum), die weiter real ist und vom ende des individuums in
seinem physischen tod nur soweit betroffen ist, wie der prozess der
metabolie der materie wirksam ist. Für sich ist das argument im kern
banal, aber, in der perspektive des individuums als ich und seines
genossen, die in ihren welten leben, ist das argument von
existenzieller relevanz. Das individuum als ich muss, solange es in
raum und zeit lebt, mit seinem wissen, das es endlich ist und seine
welt mit dem ende im tod untergegangen sein wird, ein modell
entwickeln, mit dem es das unvereinbare miteinander kompatibel macht.
Das leisten die apokalyptischen erzählungen.
(c)<==//
(d)
Ich instrumentalisiere für mein
argument den titel von Oswald Spengler's einflussreichem buch: Der
Untergang des Abendlandes,(1921). Seine deutung des geschichtsprozesses
ist zwar ein teil der historia apokalyptischer erzählungen, aber im
universum der apokalypsen ist Spengler's geschichtsdeutung ein
randphänomen(01).
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(01)
Wikipedia, a.a.O. Stichwort: Oswald Spengler. dl_251026.
Zusatz.
In ihrer struktur ist jede apokalyptische erzählung konservativ
motiviert. Das problem des konservativen denkens ist in diesem fragment
kein objekt der reflexion.
(d)<==//
(e)
als eine projektion in die zukunft ist
jede apokalyptische erzählung eine utopie, ein gedanke, was noch kommen
wird oder kommen soll. Die historia der relevant gewordenen utopien ist
hier kein gegenstand der erörterung(01).
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(01)
über den begriff: utopie, und seine phänomene informiert umfassend ein beitrag in Wikipedia(*1).
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(*1) Wikipedia, a.a.O. Stichwort: Utopie, dl.251028.
(e)<==//
(f)
das theologische gerede vom paradies
scheidet aus, weil alle möglichen bilder vom paradies vorstellungen in
raum und zeit sind, die ein reden "danach" ausschliessen.
(f)<==//
(g)
es genügt, auf die geschichte der
dinosaurier zu verweisen. Das verschwinden einzelner gattungen ist ein
allgemeines phänomen im prozess der natur. Insofern wäre das
verschwinden der gattung: homo sapiens, ein blosser naturvorgang, der
als vorgang, unbeachtlich ist, aber, solange das individuum als ich und
sein genosse existieren, ist das problem des verschwindens der eigenen
art im naturprozess ein vorgang, den das individuum als ich, das
subjekt seiend, zwar reflektiert, in der reflexion aber ängstigt sich
das individuum als ich. Dieser angst kann es sich in raum und zeit
nicht entziehen, seine angst mit einer apokalyptischen erzählung
kompensierend.
(g)<==//
finis