Das fragment des monats
ausgabe (063)/63//2026/ fdm/26.063/ märz/2026


Das apokalyptische denken.
Eine anmerkung zu einem realen problem in den debatten um das weltklima.

    Es sind moden, wenn von der apokalyse, präziser: von den apokalypsen geredet wird(a). Das fundament des apokalyptischen redens ist das bewusstsein der menschen und ihr wissen, dass das leben endlich ist. Das bewusstsein seiner endlichkeit, ein basales gefühl des individuums als ich, ist der grund, sich szenarien auszudenken über das, was geschehen werde, wenn das auch real geschieht, was in den apokalyptischen prophezeiungen ausgemalt wird(b), nämlich das ende der welt(c). Das narrativ vom ende der welt ist ein erzählen von etwas, das kommen soll, aber, es kann nicht das erzählen sein von dem, was im moment der gelebten gegenwart real gekommen ist, ein ereignis, das, abgesunken in die vergangenheit als ein factum der vergangenheit, wieder erinnert werden kann als gegenstand einer neuen erzählung, mit der genau das dementiert wird, was der gegenstand der erinnerten prophezeiung, ein dokument der historia, gewesen war, nämlich das ende der welt, in der die propheten des untergangs munter weiter leben.

    Es ist eine merkwürdige beobachtung, dass das reden über den angekündigten untergang des abendlandes(d) genau das moment ignoriert, das, der kern jeder weltuntergangserzählung seiend, die bedingung ist für die erzählungen von der not der menschen im blick auf ihren tod. Der streitpunkt ist, dass vom anstehende weltuntergang mit projektionen in die zukunft geredet wird, die als utopie(e) im moment ihrer realisation, dem moment der gelebten gegenwart, notwendig scheitern und die, als ein factum der vergangenheit in die vergangenheit abgesunken, in den dokumenten der historia in einem anderen moment der gelebten gegenwart wieder erinnert werden, erinnerungen, die in einer weiteren projektion in die zukunft als neue fassung der untergegangenen apokalypse gelebt werden.

    Eigentlich besteht kein grund zur sorge, dass die derzeit lanzierten apokalypsen, realität werden könnten; denn wäre der immer wieder neu prophezeite weltuntergang real der fall, dann kann es keinen erzähler mehr geben, der von diesem ereignis erzählen könnte(f).

    Im horizont dieser angezeigten weltuntergänge ist die aktuelle diskussion um das weltklima zu analysieren und zu reflektieren. Es sind beobachtungen aus erfahrung, ergänzt durch sachangemessene methoden, die darauf hindeuten, dass das faktum der erderwärmung einen prozess in gang gesetzt hat, der es als wahrscheinlich erscheinen lässt, dass in der natur für die gattung: homo sapiens, kein platz mehr sein wird und der homo sapiens dann den gleichen weg gegangen ist, den viele andere gattungen vor ihm gegangen waren(g). Das vermutete ende der gattung: homo sapiens, wird sein, dass die physische lebensgrundlage für die menschen zerstört ist, wenn die menschen global ihren gegenwärtigen lebensstil beibehalten, mit der konsequenz, dass im prozess der natur die individuen dieser gattung sich nicht mehr regenerieren können. Der zustand der natur(=universum) wird sein, dass es kein wesen der gattung: homo sapiens, gibt, der vom ende der gattung: homo sapiens, etwas erzählt, das gehört wird.
------
(a)
die apokalypse(=erzählung vom weltuntergang) ist eine subklasse der gattung: erzählung,(01). Soweit die erinnerung der menschen in ihrer historia zurückreicht, wurden über das sichere ende der zeit fabuliert, die einflussreichste der bekannten geschichten dürfte die des apostels: Johannis, sein. Die historia der apokalypsen ist in diesem fragment kein gegenstand der reflexion.
-------
(01)
einen guten überblick über die tradition der apokalypsen gibt der artikel in Wikipedia(*).
----------
(*1)   Wikipedia //==> www.wikipedia.de/. Stichwort: apokalypse, dl251026.      (a)<==//  
(b)
die apokalypse ist das jüngste gericht, wenn der gott in seinem zorn oder in seiner liebe, das ist gleich, über seine sündigen geschöpfe gericht halten will, die einen in die hölle verdammend, die anderen ins paradies einladend. Dieser erzählung ist gemein, dass im paradies und in der hölle raum und zeit aufgehoben sind, aber, mit dem ende von raum und zeit ist auch das ende der welt gesetzt, die das individuum als ich und sein genosse geschaffen haben, gemeinsam, jeder für sich. Das problem ist, dass in den formen von projektionen in die zukunft über den zustand einer welt jenseits von raum und zeit reflektiert wird, reflexionen, die an den moment der gelebten gegenwart geknüpft sind. Dieser moment der gelebten gegenwart ist nur in raum und zeit möglich, folglich ist dieses denken auf der argumentebene der begriffe mit einem widerspruch konfrontiert, der nicht aufhebbar ist, der aber auf der argumentebene der phänomene, den apokalypsen der historia, ein gegensatz ist, der pragmatisch in den apokalyptischen phantasien aufgelöst wird, real in den dokumenten der historia(01).
--------
(01)   //==> anmerkung: (a).      (b)<==//  
(c)
das, was in den apokalyptischen erzählungen endet, das sind die welten des individuums als ich und seines genossen, die der genosse und das individuum als ich, jeder für sich, in ihrem forum internum als welt imaginieren und die, auf dem forum publicum entäusert,  miteinander/gegeneinander gehändelt werden, aber, das ende dieser welten ist nicht das ende der natur(=universum), die weiter real ist und vom ende des individuums in seinem physischen tod nur soweit betroffen ist, wie der prozess der metabolie der materie wirksam ist. Für sich ist das argument im kern banal, aber, in der perspektive des individuums als ich und seines genossen, die in ihren welten leben, ist das argument von existenzieller relevanz. Das individuum als ich muss, solange es in raum und zeit lebt, mit seinem wissen, das es endlich ist und seine welt mit dem ende im tod untergegangen sein wird, ein modell entwickeln, mit dem es das unvereinbare miteinander kompatibel macht. Das leisten die apokalyptischen erzählungen.    (c)<==//      
(d)
Ich instrumentalisiere für mein argument den titel von Oswald Spengler's einflussreichem buch: Der Untergang des Abendlandes,(1921). Seine deutung des geschichtsprozesses ist zwar ein teil der historia apokalyptischer erzählungen, aber im universum der apokalypsen ist Spengler's geschichtsdeutung ein randphänomen(01).
-------
(01)
Wikipedia, a.a.O. Stichwort: Oswald Spengler. dl_251026.
Zusatz.
In ihrer struktur ist jede apokalyptische erzählung konservativ motiviert. Das problem des konservativen denkens ist in diesem fragment kein objekt der reflexion.    (d)<==//  
(e)
als eine projektion in die zukunft ist jede apokalyptische erzählung eine utopie, ein gedanke, was noch kommen wird oder kommen soll. Die historia der relevant gewordenen utopien ist hier kein gegenstand der erörterung(01).
--------
(01)
über den begriff: utopie, und seine phänomene informiert umfassend ein beitrag in Wikipedia(*1).
------
(*1)   Wikipedia, a.a.O. Stichwort: Utopie, dl.251028.    (e)<==//  
(f)
das theologische gerede vom paradies scheidet aus, weil alle möglichen bilder vom paradies vorstellungen in raum und zeit sind, die ein reden "danach" ausschliessen.    (f)<==//  
(g)
es genügt, auf die geschichte der dinosaurier zu verweisen. Das verschwinden einzelner gattungen ist ein allgemeines phänomen im prozess der natur. Insofern wäre das verschwinden der gattung: homo sapiens, ein blosser naturvorgang, der als vorgang, unbeachtlich ist, aber, solange das individuum als ich und sein genosse existieren, ist das problem des verschwindens der eigenen art im naturprozess ein vorgang, den das individuum als ich, das subjekt seiend, zwar reflektiert, in der reflexion aber ängstigt sich das individuum als ich. Dieser angst kann es sich in raum und zeit nicht entziehen, seine angst mit einer apokalyptischen erzählung kompensierend.    (g)<==//       
finis

eingestellt: 26.03.01.
zurück/übersicht     //       
zurück/textsammlung/überblick     //