Das fragment des monats
ausgabe: (069)/69//2026/ fdm/26.069/ september/2026


Angebotswirtschaft und/oder bedarfswirtschaft?
Mit der falschen alternative kann der gegensatz nicht aufgelöst werden.

    Die ökonomen diskutieren darüber, was für die gesellschaft vorteilhafter sei, einerseits eine wirtschaftsform, die den bedarf der menschen deckt, andererseits eine wirtschaftsform, die den menschen ein angebot an waren macht. Der streit, zugespitzt in der frage, ist unvernünftig, weil die realisierung einer rationalen ökonomie nicht in der auflösung des gegensatzes der beiden wirtschaftsformen aufgefunden werden kann, entweder als bedarfswirtschaft oder als angebotswirtschaft - tertium datur. Zwar können die streitenden parteien plausible argumente für sich geltend machen, argumente, die, wenn sie radikal verfochten werden, zu unerwünschten ergebnissen führen müssen, weil die beobachtung ausgeblendet wird, dass jede ökonomie des menschen auf dem wechselspiel von mangel und überfluss fundiert ist(a). Es ist, als aspekt der dummheit in der gier nach immer mehr, nicht klug, in einer dynamischen gesellschaft auf das eine oder das andere wunderrezept zu setzen, weil der zweck der arbeit, die lebensform jedes wirtschaftens seiend, nicht der profit ist, keine grenze kennend, sondern der zweck des rationalen wirtschaftens ist die sicherung des fundaments, auf dem die menschen ihre existenz, beschränkt auf raum und zeit, sichern wollen.

    Die prämissen für die alternativen: angebotswirtschaft oder bedarfswirtschaft, sind eindeutig.

    Eine ökonomie, die darauf fokussiert ist, den lebensnotwendigen bedarf einer sozialen gruppe zu sichern, produziert nur das, was für den erhalt der gruppe lebensnotwendig ist und ein wenig mehr, weil mit der arbeit immer ein mehrwert geschaffen wird, der als vorrat sicherheit bieten soll für schlechtere zeiten. Die beobachtung ist nicht falsch, dass dieses verhalten in der lebenswelt der menschen genau der mechanismus ist, der in der natur den selbsterhalt der gruppe(=gattung) sichert. Durch die arbeit des individuums als ich wird der natur nur das entnommen, was für den reproduktionsprozess der spezies: homo sapiens, erforderlich ist. In diesem sinn ist die ökonomie des lebensbedarfs immer nachhaltig, weil das, was der natur entnommen wird, in der bilanz genügt, der natur das zu belassen, was notwendig ist, sich wieder zu regenieren. Die metabolie der materie in der natur ist ein kreislauf des lebens, deren anfangspunkt die geburt ist, der mit dem endpunkt des lebens, der tod, zusammenfällt, neues leben gebärend.

    Die ökonomie des angebots hat die these zum fundament, dass die produktion der waren, dinge der welt, angestossen durch die arbeit, ein prozess des wachstums ist, den die verfechter der these vom ende her denken. Das, was zählt, das ist als ziel im prozess des wirtschaftens die höchstmögliche zahl an produzierten waren, die gegen profit an die konsumenten zu verscherbeln sind. In seiner logik ist die ökonomie des angebots eine wette auf die zukunft mit einem ungewissen ausgang(b). Die realisation dieses programms hat zur bedingung die ausbeutung, Ich sage, ausplünderung der natur und ihrer ressourcen, die das dynamische gleichgewicht in der natur stört und im übermaass notwendig die vorgefundene ordnung in eine andere ordnung transferieren muss. Der auf der einen seite angehäufte überfluss an waren, ist auf der anderen seite ein mangel an den dingen der welt, die das individuum als ich und sein genosse für die bewältigung ihrer existenz, jeder für sich, benötigen(c).

    Das, was im gegensatz prima vista als plausibel erscheint, das ist secunda vista eine selbstzerstörende illusion, weil weder die logik des immer mehr den erfolg auf dauer sichern kann(d), in raum und zeit geschlagen in grenzen, die um den preis der selbsterhaltung nicht überschritten werden können, noch kann die logik des blossen bedarfs die geforderte mitte zwischen überfluss und mangel auf dauer ausbalancieren, was angst schafft. Das individuum als ich und sein genosse müssen beiden anforderungen, die zueinander in einem gegensatz stehen, gerecht werden, weil sie einerseits wesen der natur sind, die ihre erbschaft als wesen der natur nicht verneinen können, und weil sie andererseits mit vernunft begabt sind, die über sich selbst hinauswachsen wollen und können(e). Das individuum als ich und sein genosse sind in der bewältigung ihrer existenz immer auf die beiden formen des wirtschaftens angewiesen(f), ihr problem ist, den gegensatz zwischen mangel und reichtum auszubalancieren, was ihnen, global betrachtet, immer unzureichender gelingt, weil die logik der angebotswirtschaft das kapital auf der einen seite akkumuliert, das der anderen seite geraubt wurde(g).
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(a)
das ist die biblische erzählung von den 7 fetten und den 7 mageren jahren(Genesis, kapitel 41).      (a)<==// 
(b)
die angebotswirtschaft ist eine wirtschaft des überflusses, ein überfluss, der blosser schein ist. Der natur kann nicht mehr entnommen werden als das, was sie enthält. Das problem ist, dass die menschen in ungleicher weise der gaben der natur sich bedienen können. Eine minderheit entnimmt mehr als die mehrheit zusammen entnehmen kann. Ich deute das problem der macht nur kurz an, diskutiere es aber nicht in der erforderlichen breite.      (b)<==// 
(c)
die phänomene der armut der meisten und der reichtum weniger sind ein faktum. Dazu bedurfte es nicht der meldung, das Elon Musk der erste billionär ist.      (c)<==// 
(d)
die logik des wachstums ist: immer weiter, immer höher, immer länger. Das guiness-buch der rekorde, das verzeichnis gelebter dummheiten, ist das schiboleth dieser maxime.      (d)<==// 
(e)
den dokumenten der historia ist zu entnehmen, dass seit beginn der schriftlichen aufzeichnungen vor ca.6000 jahren sowohl die angebotswirtschaft als auch die bedarfswirtschaft realisiert wurde. Was im lauf der zeit sich geändert hatte, das waren die begründungen für die angebotswirtschaft.     (e)<==// 
(f)
der gedanke in einer graphik wiederholt. Sowohl das individuum als ich: A, und der genosse: B, sind in ihrer wechselseitigen relation mit den momenten: angebotswirtschaft und bedarfswirtschaft, relationiert, hier gefasst in der relation: angebotswirtschaft<==|==>bedarfswirtschaft,(01).
graphik: 001
                       
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(01)   die komplexität der situation wird nicht weiter diskutiert.     (f)<==// 
(g)
in diesem sinn ist die kritik des alten Marx immer noch aktuell, im blick auf die börsen global aktueller denn je.     (g)<==//  
finis

eingestellt: 26.09.01.
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